Günther
Günther war er sehr kultivierter feiner Mann. Als er zu uns ins Altenheim kam, war ich erstaunt, da er sich sehr gewählt ausdrückte und wirklich gute Manieren hatte. Er legte Wert auf gepflegte Unterhaltung und wurde fast nicht mit deiner nachlassenden Selbständigkeit und seinem Parkinson fertig, der ihn stark abhängig machte. Er unterhielt sich sehr gerne mit Emma, die zwei verstanden sich gut!
Mit ihm hab ich so manches Mal tiefenpsychologische Gespräche geführt, ab und zu auch in English, was er fliessend sprach.
Das schönste war abends, nach getaner Arbeit, sich zu ihm zu setzen und sich mit ihm zu unterhalten. Wenn aber die Sendung “Herzblatt” mit Rudi Carrell kam, konnten wir Pflegerinnen nicht widerstehen und schauten sie bei ihm an. Wahrscheinlich hat er sie nur angesehen, weil es ihn freute, dass wir bei ihm waren.
Nach einigen Jahren, als er schon sehr pflegebedürftig war und ich Nachtdienst hatte, treib es ihn um. Er zerpflückte seinen Inko-Slip, sodass es aussah, als hätte es geschneit und er war wirklich sehr unruhig und wollte nicht wieder ins Bett. Leider konnte ich ihn nicht ausserhalb des Bettes lassen, da ich alleine für 52 Bewohner zuständig war und er der Daueraufsicht bedürftig war. So redete ich mit Engelszungen auf ihn ein, doch wieder ins Bett zu gehen, ich würde umgehend nach meiner Runde wieder bei ihm antreten. No chance. so redete ich Tacheles mit ihm ( das hat er eh immer bevorzugt) und meinte: ” Ich appelieren an Ihre Vernunft mich jetzt zun unterstützen!”
Das half. ich war ihm so dankbar und besuchte ihn dann wie versprochen nach meiner Runde.
Eines Tages, der Parkinson war schon weit fortgeschritten, konnte er sich nicht mehr ausdrücken. Das hat ihn sehr belastet! Ich überlegte, wie ich erfahren konnte, was er von mir wollte und versuchte es in English. Und siehe da: es klappte! Er konnte sich in English mit mir unterhalten und sein Problem war schnell gelöst!
Als er gestorben war, konnte ich mich nur bei seinen Angehörigen dafür bedanken, ihn kennengelernt zu haben.


























Am 21. April 2007 | 06:19 Uhr
Ja, solche aussergewöhnlichen Menschen, die uns in unserem Leben begegnen, bereichern es doch wirklich ungemein.
Ich möchte keinen einzigen davon missen.
Am 21. April 2007 | 07:43 Uhr
ich auch nicht!!! aber ver_missen tu ich sie schon sehr!