Nähkästchen-Geplauder No.4- der blonde Streber
Nach der Mausi-Episode fiel mein Begehr auf ein neues Objekt: den blonden Streber. Es muss um 1984 gewesen sein.
So nannte ich ihn, weil er einfach so aussah. Er war blond (mal wieder) und hatte eine John-Lennon-Nickelbrille auf.
Über Umwege erfuhr ich, dass seine Initialen JD lauteten. Das wars.
Und so schwärmte ich im Stillen und versuchte, in der grossen Pause immer in seiner Nähe zu sein. Natürlich ohne ihn irgendwie zu kontaktieren! Ich hätte ja eher einen Herzinfarkt bekommen.
Damals hatte ich ja auch eine Brieffreundin in Recklinghausen (die wohl keinen Kontakt mehr zu mir will
, denn sie hat sich nicht gemeldet), welche mich dann besuchen kam. Nach den Sommerferien war sie abgereist und ich in die Realschule gewechselt (*’&%- Mathe!).
Glücklich in RE angekommen, rief sie mir an und teilte mir mit, im Zug einen Jungen aus Schramberg getroffen zu haben, mit dem sie ins Gespräch kam. Sie habe von ihrem Aufenthalt und mir erzählt und er meinte, er würde mich kennen.
Ich verstand nur Bahnhof-Kofferklau und auch bei der Nennung seines Namens machte es nicht klick.
Der kam am nächsten Tag dafür umso heftiger, als ich mich mal wieder meiner Schwärmerei ergab!
Nach der Schule rief ich sie umgehend an und fragte Details ab, die sie alle bestätigte! Eine Ohnmacht schlich sich an! ER WAR ES!
So schnell sah noch niemand jemanden in der grossen Pause zum Gymi flitzen! Und das ist nicht um die Ecke.
Atemlos auf dem Schulhof ankommend, fand ich ihn gleich. Er stand auf dem Brückle, wo die “Grossen” immer standen. Umgeben von ca. 100% seiner Klasse. Aber das war mir wurscht. Ich sprach ihn an und wir plapperten munter drauf los. Leider dauert so eine grosse Pause nur 15 min und so wurde ab da das Gymi in der grossen Pause meine zweite Heimat.
Irgendwann besuchte ich ihn zuhause und besprach auch meine Herzensangelegenheit mit ihm. (Ich war schon damals mutig! Das hat Susi immer bewundert!
).
Er war superlieb und verständig, aber leider anderweitig verliebt. Zum Trost gab er mir ein Bussi auf die Backe, versprach Freundschaft genau das was man ja will und wir blieben in lockerem Kontakt.
Wie es so kommt: wir verloren uns aus den Augen, vergassen uns aber nie. Durch einen glücklichen “Zufall” (ich glaube nicht an Zufälle) kam ich um 1995 oder so an seine Telefonnummer und rief ihn an.
Er wusste SOFORT, wer ich bin und wir babbelten lange am Telefon. Auf seine Frage “Na, auch schon verheiratet und 4 Kinder?” konnte ich nur “Nein. Und du?” antworten und erfuhr, dass er seit Jahren in einer sehr glücklichen Beziehung mit einem Mann lebt.
Unser Besuch bei ihm in München liess nicht lange auf sich warten.
Wir haben immer noch Kontakt!

























