Meine Omi, Pflege zuhause
Meine Omi war meine Liebste. Sie war immer für mich da und hat mich beschützt, wenn es nötig war.
Bis sie eines Tages fiel, sich aber wieder aufrappelte.
Nach etwa 2 Wochen meinte sie, sie habe solche Schmerzen in der Hüfte. Mami brachte sie ins Krankenhaus. Dort wurde ein Oberschenkelhalstrümmerbruch diagnostiziert, welcher irreparabel war, das heisst: der ganze Knochenmatsch musste entfernt werden.
Von da ab konnte sie nicht mehr Gehen und Stehen.
Das muss im Jahr 1983 gewesen sein.
Fortan war meine Omi bettlägerig und überhaupt nicht damit einverstanden. Was sie auch lautstark und tat, sodass schon ab und zu die Polizei bei uns war um zu fragen, wen wir da misshandelten.
Ich war damals um die 15 und musste auch bei der Pflege von Omi mithelfen.
Im Lauf der Zeit wurde Omi ruhiger und auch vewirrter.
Allerdings hörte sie die Mäusle pfeifen und sobald die Tür ging, rief sie nach „Mama“.
Sie ging immer mehr in ihre Vergangenheit zurück.
Das zeigte sich sehr deutlich an folgender Situation:
Jeden Tag wurde sie mehrmals aus dem Bett geholt und an den Tisch gesetzt. Dort las sie Zeitung und/oder machte Kreuzworträtsel (erstaunlicherweise bis zu ihrem Tod immer richtig!).
Einmal kam ich dazu, wie sie die Zeitung in kleine Quadrate zerriss, diese mit Spucke befeuchtete und auf ein grosse Blatt Zeitung drückte. Ich fragte sie: „Was machst du denn da???“ Sie sah mich an, als hätte ich den Verstand verloren: „ Märkle kleben, was denn sonst!?“ …und klebte weiter.
Ich erfuhr dann von Mami, dass dies eine Tätigkeit war, die sie viel im Krieg machen musste. Damals klebte man Lebensmittelmarken auf Lebensmittelkarten um die Lebensmittel zu erhalten.

























