Brigitte, Teil 2
So lebte sie einige Jahre fröhlich und es ging ihr immer besser, sodass wir ihr gar nicht mehr helfen mussten. Sie kam morgens fit und fröhlich zum Frühstück und ging dann ihrer Wege.
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So lebte sie einige Jahre fröhlich und es ging ihr immer besser, sodass wir ihr gar nicht mehr helfen mussten. Sie kam morgens fit und fröhlich zum Frühstück und ging dann ihrer Wege.
Sie war unsere jüngste Bewohnerin.
Mit ihren 63 hatte sie sich freiwillig dazu entschieden, zu uns zu kommen. Sie hatte sonst niemanden ausser ihrer Schwester.
20 Jahre habe ich Alte und Kranke und Junge und Kranke gepflegt.
Als die Pflegeversicherung kam und alle Tätigkeiten minutiös verrichtet und dokumentiert werden mussten, schwand die Zeit für den Patienten.
Günther war er sehr kultivierter feiner Mann. Als er zu uns ins Altenheim kam, war ich erstaunt, da er sich sehr gewählt ausdrückte und wirklich gute Manieren hatte. Er legte Wert auf gepflegte Unterhaltung und wurde fast nicht mit deiner nachlassenden Selbständigkeit und seinem Parkinson fertig, der ihn stark abhängig machte. Er unterhielt sich sehr gerne mit Emma, die zwei verstanden sich gut!
Emma hatte ein kleines Verdauungsproblem. Sie neigte zur Verstopfung.
Eines Morgens sass sie auf dem Toilettenstuhl und quälte sich. ich räumte um sie rum das Zimmer auf. Sie musste beaufsichtigt werden, da sie sich sonst blutig kratzte, weil sie eine Dermatitis hatte.
Emma beschloss eines Tages, im Bett zu bleiben. Sie würde heute auf keinen Fall aufstehen. Sie habe ihr Leben lang gearbeitet und das Recht dazu, heute im Bett zu bleiben.
Emma sass im Speiseraum und wartete aufs Essen. Nachdem geschöpft war, bekam sie ihren Teller und fing an zu speisen.
Floskelhaft fragte ich: “Und, kann mans essen?”
Omi sass eines Nachmittags am Tisch.
Ich brachte ihr dann etwas zu trinken und sah, dass sie meine damals geheiligten BRA*O-Zeitschriften und Kreuzworträtsel um Kreuzworträtsel ausgefüllt hatte.
Ich war leicht angefressen, wusste auch nicht, wie sie an die Zeitschriften gekommen war.
Genervt sagte ich: „Och Omi, was hast du denn da gemacht!??“
Sie war 103 jahre alt, bettlägerig, geistig nicht unbedingt zurechnungsfähig, aber frech und süss! Ich mochte sie gerne.
Am besten gefiel mir ihr Lied, welches sie manchmal sang:
Meine Omi war meine Liebste. Sie war immer für mich da und hat mich beschützt, wenn es nötig war.
Bis sie eines Tages fiel, sich aber wieder aufrappelte.
Als an einem anderen Tag To wieder da war, ging er schon freiwillig zu Herrn Sch um das Gebissproblem erneut in Angriff zu nehmen.
To fragte: “Herr Sch, ich brauche ihre Zähne!”
Herr Sch. war ein bettlägeriger Mann, der leider fast blind war und kaum noch hörte.
Sie war von Beruf Lehrerin und kam zu uns, als sie geistig noch ziemlich fit war. Das änderte sich im Laufe der Zeit und sie wurde verwirrt.
Emma2 sass mit vielen anderen Bewohnern zum Mittagessen im Speisesaal.
Es war Usus, dass vor und nach dem Essen durch den Hauspfarrer ein Gebet gesprochen wurde.
Anna war eine seelengute, stark gläubige Christin, die aufgrund eines Schlaganfalls gehunfähig geworden war. Ihre linke Seite war vollständig gelähmt. Sie war immer gut gelaunt, sehr duldsam und wirklich von Grund auf gut.
Da es sonst zu Verwechslungen kommen kann, werde ich sie Emma2 nennen.
Erna war die Freundin von Emma, deshalb kannte ich sie schon, bevor sie ins Altenheim zu uns zog.
Emma hab ich geliebt! Über alles! Sie war über 90, als ich sie kennenlernte, hatte kaum Falten und wenn sie etwas nicht wollte, dann wollte sie nicht. Durch einen Schlaganfall, der milde ausfiel und Parkinson konnte sie nicht mehr laufen und war auf viel Hilfe angewiesen, was sie ab und zu ziemlich wütend machte. Über Emma kann ich einiges berichten und fange hier mal an.
…so begrüsste mich manchmal ein Patient, den ich wirklich sehr gerne hatte. Herr F hatte MS und konnte nur noch reden und selbständig atmen, sowie hören und sehen.
Meine frühere Kollegin (leider auch schon verstorben) erzählte mir, dass eines tags eine Schwester der Schwesternschaft, zu der das Heim gehörte, verstorben war. meine Kollegin hatte ab und zu kleine liebevolle Meinungsverschiedenheiten mit dieser Schwester.
Als diese nun verstorben und in Schwesterntracht auf der Bahre lag, von der aus sie in den Sarg gelegt werden sollte, bemerkte meine Kollegin, dass der Arm der Schwester herunterhing. Sie nahm den Arm wieder hoch und faltete die Hände.
ich hab eine neue Kategorie ins Leben gerufen.
Darin will ich einige Geschichten aus meinem vergangenen Pflegerinnen-Alltag berichten. Das können lustige und auch traurige Geschichten sein.