Mein Vater
Irgendwie ist es mir danach, auf zu schreiben, wie das mit meinem Vater war.
Es muss 1967 gewesen sein.
Meine Mami hat in Stuttgart als Kinderkrankenschwester gearbeitet und war etwa 28 Jahre alt.
Mit ihrer Freundin Brigitte zog sie durch die Gassen und lernte Claude, einen amerikanischen GI kennen.
Der muss sie verzaubert haben, denn sie verliebte sich in ihn. Er war 5 Jahre jünger als sie.
Es kam wie es kommen musste und im November 1968 kam ich.
Claude wollte aber kein Kind. Und ausserdem musste er zurück in die USA.
Meiner Mami war das ziemlich egal, Abtreibung stand nie zur Debatte. Das einzige was sie noch von ihm wollte, war die Anerkennung der Vaterschaft und im Gegenzug dafür würde sie ihn mit mir verschonen.
Da es damals äusserst unschicklich war, unverheiratet ein Kind zu bekommen und meine Grosseltern in Schra*berg als sehr angesehene Bäckersleute agierten und in der ganzen Stadt bekannt waren, erschien das als ziemlich riskantes Unterfangen.
Dennoch haben meine Grosseltern keine Minute gezögert, als Mami schwanger mich erwartete und erklärten “Das Kind kriegen wir gross!”
Ich ziehe heut noch den Hut vor meinen Grosseltern und liebe sie dafür.
Sie haben mich nie spüren lassen, dass ich unwillkommen wäre, ich hab mich sehr geborgen und geliebt bei ihnen gefühlt.
So kam ich also am 27.11. in Stuttgart zur Welt und wurde im ersten Jahr in einem Kinderheim untergebracht. gleich nach der Geburt stellte man die Hüftdysplasie fest…aber das ist ja ein anderes Thema.
Mein Vater erfuhr von meinem Erscheinen und wurde in meine Geburtsurkunde eingetragen.
Somit war meine Mami vor dem Vorwurf der Rumhurerei befreit.
Es bestand noch jahrelang Kontakt zu meinen Grosseltern väterlicherseits, bis meine Oma verstarb. Dann schlief auch der ein. Die Briefe zwischen meiner Omi und meiner Oma hab ich noch…
Meine Mami war mir gegenüber ziemlich zurückhaltend, was meinen vater betrifft. Ich erfuhr nur, dass es ihn gibt und dass er in Amerika ist.
Erst als ich mit 30 intensiv bemüht war, etwas über ihn heraus zu finden, erfuhr ich, dass er mich nicht wollte.
Heute bin ich Mami dankbar, dass sie mich als Kind nie hat merken lassen, dass mein Vater mich ablehnte!
Warum ich so betonte, dass mein Vater 5 Jahre jünger als meine Mami ist?
*kicher*
Als ich wegen Nachforschungen auf dem amerikanischen Konsulat in Frankfurt meines Vaters Geburtsurkunde bekam, sah ich, dass seine Mutter 5 Jahre älter als sein Vater war.
Und um dem allem die Krone auf zu setzen:
Ich bin 5 Jahre älter als mein Mann.
Na, gemerkt? 
Leider ist es nicht gelungen, ihn ausfindig zu machen, mein Brief kam ungeöffnet ans Konsulat zurück.
Entweder er will nicht, kann nicht, lebt nicht mehr oder was auch immer.
Wahrscheinlich werde ich nie mehr Kontakt zu ihm haben.
Das sticht ein bissle im Herz, aber der Schmerz wird mit den Jahren kleiner.
Popularity: 4% [?]



























Am 27. Juni 2007 | 09:38 Uhr
Liebe Prinzzess,
… Das die Leute reden … wenn sich alle danach richten würden…
Aus meiner Family kenne ich das auch. Da war auch jemand mit einem Kind, das mit von der Grossmutter grossgezogen wurde, aus ähnlichen Gründen - ungeachtet der Leute und der Zeit. Es geht alles, wenn man es will! Angst vor Leuten oder gesellschaftlichen Dingen war noch nie ein guter Ratgeber!
Deine Mami hat Dich eben von Anfang an gern gehabt!
Aber das mit der Nachforschung, da muss man manchmal viel Aufwand betreiben… auch ehemalige Nachbarn anfragen - alle möglichen Leute … das mit den 5 Jahren ist wirklich witzig
Das erinnert mich jetzt an was, das ich schon lange mal schreiben wollte … ich hoffe, ich finde das noch …
Am 27. Juni 2007 | 09:48 Uhr
Dein “Vater” weiß ja gar nicht, was er verpaßt hat. Selber schuld.
Und Dich tröste ich jetzt erstmal. *umarm*
Am 27. Juni 2007 | 09:53 Uhr
ich wollt hier aber nicht rumjammern
…nur mal von der seele schreiben…ich leb ganz gut ohne ihn. 
Am 27. Juni 2007 | 11:08 Uhr
Und WIE toll sie dich großbekommen haben, Trudele !
Wer braucht schon einen Vater, der einen nicht will ?
Falls er noch lebt… Glaube mir, es wird ihm (in welcher Intensität auch immer…) Leid tun, daß er dich nicht kennt
Grüßle
Zusser
Am 27. Juni 2007 | 11:18 Uhr
@ zusser: naja…vielleicht denkt er ab und zu an mich…falls er noch lebt…
Am 27. Juni 2007 | 16:06 Uhr
wer weiss schon genau die Hintergründe, warum er sich nicht gemeldet hat.
Aber ganz egal von wem, Hauptsache ist, man kennt das Gefühl der Liebe und Wärme.
Am 27. Juni 2007 | 16:28 Uhr
die hintergünde würden mich aber schon ein bissle interessieren… :mrgreen:
und: ohja, hab ich!
Am 27. Juni 2007 | 16:56 Uhr
Ich finde sowas immer traurig, wenn ich lesen muss, dass Kinder nur bei einem Elternteil groß geworden sind.
Das zeigt mir, wie gut ich es mit meinen Eltern habe und dass ich mich wirklich glücklich schätzen kann, mit beiden auch einen super Kontakt zu haben!
Wir sind eine große Familie - ich habe noch 7 (Halb-)Geschwister und da ist Knatsch eigentlich schon vorprogrammiert. Zwischen einigen Geschwistern und meinen Eltern herrscht teilweise Funkstille, was mich sehr betrübt. Mein Papa ist nur mein leiblicher Papa, hat aber meine Geschwister auch immer als seine “Kinder” (die ja dann schon etwas älter waren) behandelt.
Schließe mich meinen Vorrednern an: dein Vater weiß gar nicht, was er verpasst im Leben! Eigentlich platzen Väter doch fast vor stolz, wenn sie eine Tochter haben. Naja… jedenfalls kannst Du stolz auf Deine Mutter und Deine Großeletern sein
btw. ich habe auch eine Hüftdysplasie - eine beidseitige. Sind wir also Leidensgenossinnen
Am 27. Juni 2007 | 17:10 Uhr
ich hab nie was vermisst.
schlimm wurde es allerdings, als meine mutter geheiratet hat. aber das ist ein ganz anderes thema und ob ich darüber schreiben kann, weiss ich nicht.
wegen dysplasie: ich schreib dir eine mail!!
Am 27. Juni 2007 | 21:05 Uhr
Komisch, wie klein doch die Welt ist. Meine Mutter war mit einem GI verbandelt (1962) und wollte mit ihm sogar in die Staaten. Ich hab’ ein Foto von ihm - er war ein gut aussehender Kerl - richtig lecker. Leider haben seine Eltern alles getan um die Beziehung mit einer Deutschen zu unterbinden, was ihnen auch geglückt ist - waren halt andere Zeiten damals. Ihr Wunsch war es das ihr erstes Mädchen, also ICH, Susan heißen sollte zur Erinnerung an diese schöne (Verliebte) Zeit. Leider hatte die Behörde was dagegen und so werkelte man an den Namen rum, bis er DEUTSCH genug war. Zur Erinnerung an diese Liebe habe ich meinem Rufnamen ein “e” dazugegeben um diesen zu amerikanisieren. Es grüßt dich ganz lieb … Susie.
Am 28. Juni 2007 | 00:46 Uhr
Ja, manche suchen sich gegenseitig und finden sich nicht so leicht … ich wrüde hartnäckig bleiben … und alle möglichen und unmöglichen Wege ausschöpfen …
Am 28. Juni 2007 | 13:26 Uhr
@ susie: ein foto hab ich von meinem auch. sah auch nicht schlecht aus…vermisst du deinen vater?
@ diane: nach einer gewissen zeit mag man nicht mehr.
Am 28. Juni 2007 | 16:27 Uhr
Mein Vater ist nicht der GI liebe Prinzess. Ich bin Jahrgang ‘67 und froh meinen Dad zu kennen. Mein Vater versuchte (!) den Wunsch meiner Mutter zu erfüllen, was von wahrer Liebe zeugt, auch wenn diese mittlerweile eingeschlafen ist, das ist aber ein anderes Thema.
Am 28. Juni 2007 | 16:42 Uhr
@ susie: oh, sorry…hab ich falsch gelesen. :mrgreen:
Am 28. Juni 2007 | 18:36 Uhr
Hätte es im ersten Text erwähnen sollen …

Am 28. Juni 2007 | 19:24 Uhr
Am 29. Juni 2007 | 04:58 Uhr
Verständlich … aber ich bin so eine GANZ HARTNÄCKIGE :mrgreen: die auch nach eine gewissen Zeit usw. …
Am 29. Juni 2007 | 08:15 Uhr
irgendwann resigniert man…also ich.