Schockierender Einkauf
Als wir vorher den Supermarkt betraten (ich hatte Sina im Einkaufswagen und wartete auf meinen Gatten mit Mina), sah ich, dass an der Kasse eine alte Dame umfiel.
Kurz geguckt, wie weit mein Gatte noch weg ist (weil ich Sina alleine stehen liess) und hingerannt war eins.
Nach kurzer Lebenszeichenkontrolle und umherschreiend :"Kann mal jemand einen Krankenwagen rufen!!" wollte ich die Dame auf den Rücken legen, weil sie wohl einem Kreislaufkollaps zum Opfer gefallen war. Die hinzu geeilte Filialleiterin bestand auf stabiler Seitenlage, also führten wir diese durch. Zum Glück kam die Dame schnell wieder zu sich und so beförderten wir sie aus dem Kassenbereich an ein ruhigeres Plätzchen, wo ich ihre Beine dann mit Kartons in angemessene Höhe brachte.
Die Bekannte der Dame war sehr aufgeregt und ob das ein Schlag sei und sie sei ja nicht von hier sondern nur zu Besuch usw. konnte einigermassen beruhigt werden. Jemand von der Bäckerei brachte ein Kissen.
Die Dame war mittlerweile voll ansprechbar und beantwortete meine Fragen adäquat. Unter Beobachtung der Filialleiterin konnten wir dann unseren Einkauf beginnen. Der Rkankenwagen kam etwa 3 min später und ich wusste die Dame in guter Obhut.
Was mich schockierte: AUSSER der FILIALLEITERIN und mir hat NIEMAND auch nur EINEN FINGER für die DAME gerührt!
Armes Deutschland.
Wenn das immer so ist: lass mich bitte nirgends umfallen!


























Am 29. September 2008 | 11:06 Uhr
Jap, das ist leider immer so. Hab ich schon zigfach erlebt. Ich hab auch schon selbst des öfteren blutend mit meinem Fahrrad am Boden gelegen, und die Leute laufen einfach vorbei. Einmal sogar jemand der mich kannte. Hat sogar Hallo gesagt.
Am 29. September 2008 | 11:13 Uhr
Am 29. September 2008 | 11:23 Uhr
Das Problem beim Helfen ist IMHO, daß man nix falsch machen will und es dann lieber gleich läßt. Hört sich hart an, ist aber je nach Situation für mich schon verständlich.
Am 29. September 2008 | 11:59 Uhr
Naja, wirklich falsch machen kann man eigentlich nix. Es ist ja schon OK, wenn man nur hin geht und fragt ob man helfen kann (sofern derjenige noch ansprechbar ist).
Das mach ich z.B. auch wenn ich Nachts im Wald an irgendwelchen Liegenbleibern vorbeifahre. In 90% der Fälle ist zwar schon Polizei unterwegs (Wildunfall) und nichts mehr zu tun oder es muss sich nur jemand was durch den Kopf gehen lassen, aber ich frage trotzdem immer. Auch das (oft von Frauen) angebrachte Argument “es sei zu gefährlich anzuhalten” finde ich nicht wirklich treffend. Auch eine Frau kann die Türen verriegeln und durch einen 1cm-Spalt am Fenster fragen, ob Sie helfen und die Polizei rufen kann.
Wenn jemand nicht ansprechbar ist muss man halt kurz denken was man tut, aber im Regelfall ist was tun besser als nix tun. Ich hab in Stuttgart mal gesehen, wie einer Rückwärts von nem Geländer gestupst wurde und mit dem Hinterkopf auf der Kreuzung dahinter aufgeschlagen ist. Da lag er dann. Zum Glück kam gerade kein Auto. Den hab ich dann erst mal wieder auf den Bürgersteig gezerrt (der war ziemlich fett) und ihn an ne Litfaßsäule gelehnt. Wenn er gekotzt hätte, hätte ich ihn wohl auf den Bauch gelegt. Dort hab ich ihn aufgeweckt, und er war dann auch ansprechbar. Dann kamen seine Kumpel und haben darauf bestanden, auf keinen Fall den Krankenwagen zu holen - er dann auch - ich schätze mal da waren Drogen oder eine abgelaufene Aufenthaltsgenehmigung im Spiel. Ich hab denen dann gesagt, dass ich ohne Krankenwagen nicht weitermache, und sie sollen mit Ihm reden, und auf ihn aufpassen, weil ich dann gehe.
Das hätte so gesehen jeder machen können, und ich glaube nicht, dass man da irgendwas falsch machen kann. Hätte ich ihn auf der Kreuzung liegenlassen, hätte das nächste Auto ihn garantiert erwischt, in der Rechtskurve sieht man nämlich niemanden der da evtl. liegt - das ist ein toter Winkel. Hätte ich hingegen den Krankenwagen gerufen, wär es sicher zu viel Hilfe gewesen - ihm hätte das offenbar mehr Probleme gebracht als alles andere. Wenn man da so ein bisschen abwägt, macht man glaube ich auch nichts falsch.
Am 29. September 2008 | 12:06 Uhr
@ Mark: Irgendetwas kann jeder tun! Und wenn es nur darum geht, den Krankenwagen zu verständigen. Oder jemanden anweisen, zu helfen oder einfach mal fragen, ob man etwas helfen kann.
Vor ein paar Jahren fuhr ich mit meinem Ex an den Stuttgarter Hauptbahnhof. Von der Strasse aus sah ich, dass eine junge Frau umfiel. Die Ampel war grad rot und ich sprang aus dem Auto, um zu helfen.
Irgendwie denk ich da nicht. Ich mach einfach. Und dann ist es mir auch egal, ob ich was falsch mach.
Am 29. September 2008 | 12:45 Uhr
Da stimme ich Zessy voll zu
.
Vor Jahren rutschte eine Oma auf Glatteis aus, ich war auf der gegenüberliegenden Strasse und musste erst rüberkommen, währenddessen sind schon 3 einfach vorbeigegangen!
ich könnte kotzen!
Am 29. September 2008 | 13:43 Uhr
Wenn nicht komplett die Welt untergeht, scheint so ein ‘kleines Malheur’ kein Schwein zu interessieren. ‘Geht ja mich nix an’…
Aber wehe es betrifft einen selbst - dann wird rumgemault wie Sau und am Besten noch jemand verklagt.
Bei uns in der Gegend wurde vor ein paar Wochen eine junge Frau am Bahnhof zusammengeschlagen. Fünf Leute standen tatenlos herum.
Am 29. September 2008 | 13:45 Uhr
Es ist immer wieder erschreckend, wie gleichgültig unsere Mitmenschen auf derartige Zwischenfälle reagieren. Aber selber wollen sie geholfen werden…
Ich bin bei uns im Betrieb einer von vielen Ersthelfern (letzte Auffrischung Anfang des Monats), und daher muss ich mal kurz klugscheißen: Stabile Seitenlage ist immer dann richtig, wenn die Person bewusstlos ist, Atmung und Puls aber vorhanden sind. Pluspunkt für die Filialleiterin.
Die Beine hochlagern, das ist Schocklage. In diesem Fall sollte der Oberkörper hochgelagert werden, damit die Dame besser Luft bekommt.
Und die Gaffer kriegt man ganz leicht weg: Nicht schreien “Kann mal jemand…”, sondern gezielt einen rauspicken, draufzeigen und sagen “Du machst jetzt…”. Dann hauen die anderen schon ab, die könnten ja auch ne Aufgabe kriegen
Und Angst vor einer falschen Behandlung muss der Helfer nicht haben. Nach deutschem Recht kann ein Helfer, der im Guten handelt, nicht für evtl. auftretende Schäden haftbar gemacht werden.
Am 29. September 2008 | 13:47 Uhr
Ja… das Schlimme ist wohl die Gleichgültigkeit !
Ich habe aber auch schon anderes erlebt (selber).
Dadurch, daß ich nicht mehr ganz gesund bin und manchmal etwas Atembeschwerden habe, muß ich mich manchmal in einer komischen Haltung irgendwo anlehnen oder aufstützen.
Und dabei bin ich schon öfter gefragt worden, ob ich was habe und ob man mir helfen könnte !
Ich weiß nicht, ob ich dabei so leidend ausgesehen habe oder vielleicht “leichenblaß” war.
Auf jeden Fall lag ich nicht bewußtlos am Boden und konnte mich nur bedanken fürs Kümmern und versichern, daß es mir nach einigen Minuten wieder gut gehen würde.
Am 29. September 2008 | 16:28 Uhr
@Zessy ich wollte das nicht runterspielen und auch nicht auf mich beziehen
Das war lediglich eine Überlegung, wieso so selten geholfen wird. Wobei ich persönlich bisher auch in keine Situation gekommen bin, wo ich hätte helfen können.
Am 29. September 2008 | 16:38 Uhr
Vor ein paar Jahren fuhren wir in einer gut besetzten S-Bahn Richtung Hauptbahnhof, als ein eindeutig zu stark Betrunkener vor die Tür des Lokführers knallte und da liegen blieb.
Interessierte keine Sau. a) hätte er auch tot sein können und b) hätte er spätestens an der Endhaltestelle die Tür vom Lokführer auf den Kopf bekommen.
Über diesen haben wir (meine Freundin und ich) dann die Rettung gerufen die ihn an der nächsten Station eingesammelt hat.
Am 29. September 2008 | 16:43 Uhr
nun betrunkenen und “pennern” hilft sowieso keiner
,die riechen ja …und sind selber schuld 
Am 29. September 2008 | 17:16 Uhr
@Susanne #12: Übermäßiger Ekel kann dazu führen, dass ich nicht helfen muss. Denn wenn ich umkippe und daneben liege, bin ich ein schlechter und vor allem nutzloser Helfer.
Allerdings sind nicht alle augenscheinlich “Besoffenen” auf tatsächlich voll. Es gibt z.B. bei Diabetikern Symptome, die genau so wirken.
Am 29. September 2008 | 17:43 Uhr
Betrunke können am eigenen Erbrochenen ersticken… ich will nicht in die Situation kommen, da helfen zu müssen.
Am 29. September 2008 | 17:47 Uhr
Ich glaube, wenn man in denkbar widerliche oder schreckliche Situationen kommt, hilft man einfach und denkt hinterher. Es geht ja schliesslich um Menschenleben.
Ich glaub, ich bin berufsgeschädigt…
Am 29. September 2008 | 18:00 Uhr
Eben, um jemanden auf den Bauch zu rollen, dass die Kotze raus kann reichts irgendwie immer. Und wenn Du’s mim Fuß machst. Vollkommen egal. Es ist ein Menschenleben. Und alles was man irgendwie vertreten kann sollte man tun.
Am 29. September 2008 | 18:08 Uhr
Ach ja, Zessy, das kann ich nachfühlen!
Meine beste Freundin hatte mal ‘nen Kreislaufkollaps und lag am Bordsteinrand einer Strasse in Frankfurt/M. Keine Sau (entschuldige bitte, aber so isses) hat ‘was gemacht, bis sie wieder zu sich kam und dann hat einer gesagt: “guck’ Dir die an - besoffen am hellichten Vormittag!” Traurig in einer Großstadt - ich helfe, wenn ich das sehe, und wenn’s nur schnell 110 über Handy anrufen ist!
Am 29. September 2008 | 21:05 Uhr
Finde ich klasse, dass du gleich zu Hilfe geeilt bist. Jaja, Zivilcourage sieht man heute leider schon sehr selten. Egal, was man macht. Hauptsache man probiert es. Weil wenn man selber mal Hilfe braucht, ist man über jede froh.
Am 29. September 2008 | 21:08 Uhr
Das Problem ist doch folgendes: Sobald mehrere “Zuschauer” bzw. potentielle Helfer vor Ort sind, denkt sich jeder: “Warum soll ICH jetzt helfen - es wird schon jemand anderes machen”. Jeder schiebt also die Verantwortung auf dem Anderen mit dem Resultat, dass sich NIEMAND rührt! C´est la vie.
Am 30. September 2008 | 12:22 Uhr
Über Handy immer die 112 anrufen. Da hat man gleich die Notrufzentrale. Und das europaweit!
Die 110 geht zwar auch, aber nur in Deutschland und man landet bei der Polizei.
Am 30. September 2008 | 12:27 Uhr
Ergänzung zum Beobachter #20: Und über Handy auch immer die Stadt mit angeben. Gerade in Ballungsräumen wie hier im Ruhrgebiet landet man gerne in der Notrufzentrale der Nachbarstadt.
Am 30. September 2008 | 18:02 Uhr
Ja, ist echt schockierend. Viele haben auch Angst etwas falsches zu machen oder gehören der RTL-Generation an. Soll heißen, in Punkt 12 regen sie sich über Leute auf die nicht helfen (siehe krasser Fall im Amiland) und im Supermarkt, ach macht jemand anders. Kenn ich nicht seh ich nicht.
Leider echt armes Deutschland.
Am 1. Oktober 2008 | 05:31 Uhr
[...] bei Unfallopfern Meine Süße hat ja mit Ihrem Bericht, über die zusammengeklappte Frau im Einkaufsmarkt, eine richtige Kommentarwelle los getreten [...]
Am 2. Oktober 2008 | 12:11 Uhr
Ja, sobald es darum geht aktiv zu werden, sind plötzlich alle Stil.
Letztens war unsere Klasse in Köln, eine gute Freundin von mir wurde plötzlich blass,klagte über starke Magenschmerzen und war kaum noch ansprechbar. Als wir sie dann zu einer Sitzgelegenheit befördern wollten ( ich und eine freundin packten sie und trugen sie) wurde sie unmächtigt, wieder bei bewusstsein übergab sie sich auf der domplatte. die leute, die geholfen haben durften sich dann blöde sprüche anhören, von denen die blöd daneben standen…
..
Liebe Grüße
Am 3. Oktober 2008 | 17:51 Uhr
Vielleicht hilft dieser beitrag ja ein bissle, um zum Nachdenken an zu regen. Wenn nur ein Leser deswegen hilft, hab ich 100% gewonnen!