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    Alkoholsucht oder wie ich meinen Mann trockenlegte

    abgelegt in Liebe&Leiden, Mann-mann | wong it! - Sa. 1. November 2008, 12:38

    Es begab sich aber zu der Zeit…achnee, das war eine andere Geschichte.

    Die, die ich erzählen möchte, habe ich live erlebt, in 3D, Farbe und bunt!

    Als ich meinen Mann im März 2002 kennenlernte verliebte ich mich auf den ersten Blick in ihn. Mit Pauken und Trompeten, dem gesamten London Philharmonic Orchestra und Blitz und Donner. Ich wusste: den heirat ich, mit dem werd ich alt.

    Dass er ab und zu (im nachhinein betrachtet eigentlich immer) ein Bierchen trank, wenn wir aus waren, störte mich nicht weiter.
    Denn welcher Mann trinkt abends nicht gerne mal ein Bier? Daran ist auch nichts verwerfliches.

    Ich selbst bin eher weinlastig. Mich locken eher Sekt und leckere Rosé-Viertele.

    Aber zurück zum Thema. Aufgefallen, dass es nicht bei einem Bier bleibt, ist mir das erst, als er im August 2002 zu mir zog.

    So nach und nach steigerte sich sein Bierkonsum, er kam oft betrunken vom Geschäft heim und trank zu Hause weiter.
    Und wo er überall die Flaschen versteckt hatte! Wahrscheinlich dachte er, ich schnall das nicht.

    Natürlich sparte ich nicht mit Ermahnungen à la “trink nicht so viel”, “muss das Bier jetzt noch sein?” und ähnlichem. Natürlich erfolglos.
    Auch offene Gespräche mit ihm über seine Sucht waren nutzlos.

    Wir gedachten, am 07.07.04 zu heiraten. Eigentlich war auch soweit alles klar und geplant, als ich im Mai 04 mal richtig nachdachte:
    - Will ich dieses permanente Misstrauen?
    - Immer darüber nachdenken, ob und wieviel er säuft/gesoffen hat?
    - Und wenn wir Kinder haben sollten?
    - Wenn er mit einem Kind im Auto besoffen fährt und es passiert was?
    - Dann würde ich garantiert in der Blöd-Zeitung stehen, denn das würde keiner von uns überleben.
    - Will ich das für den Rest meines Lebens? NEIN!!!
    - Also, er MUSS aufhören. Und zwar sofort.
    - Was könnte passieren:
    * Er könnte weitersaufen.
    * Ich schmeiss ihn umgehend raus. Auch aus meinem Leben.
    * Ich werde eine unverheiratete Frau bleiben. (Na und?)
    * Ich schnapp aus lauter Liebeskummer über.

    Es war mir lieber, alleine zu bleiben, als mit einem Alkoholiker zusammen zu leben und das Theater noch viele weitere Jahre mit zu machen.

    So fasste ich mir am 14.05.04 abends ein Herz, schnappte mir meinen Verlobten und redete Tacheles:
    Entweder er hörte SOFORT mit der Sauferei auf, oder er packt seine Sachen und geht UMGEHEND! Ich würde die Hochzeit platzen lassen, denn das mache ich nicht noch länger mit!

    Seine Reaktion: er weinte!
    Und war schockiert. Aufs Tiefste schockiert.
    Er habe seit 15 Jahren nicht mehr geweint.
    Aber er versprach, sofort damit auf zu hören.

    Am 15.5.04 kam die erste Bewährungsprobe.
    In seiner Stammkneipe wurde das Spiel VfB gegen Bayern übertragen. Da wollte er hin. Ich auch. Ein bisschen zur Kontrolle und auch weil ich es wirklich sehen wollte.
    Und so sass er inmitten seiner Saufkumpanen und trank COLA.
    Die Wirtin schaute irritiert, sagte aber nix.

    Der Entzug ging einigermassen human von Statten.
    Ab und zu kamen Äusserungen von ihm wie “Schlafprobleme”, “Gelüste”, “Schmerzen” und ähnliches, aber er war tapfer.
    Ich hatte absichtlich keine einzige Flasche, die Alkoholika enthielt, weggeräumt oder entsorgt. Er war süchtig. Und wenn er wegkommen wollte davon, musste er solchen Versuchungen widerstehen.

    Die folgende Woche war er damit beschäftigt, sämtliche Freunde, Verwandte und Bekannte über seine Alkoholsucht zu informieren.
    Er ging offen damit um, macht auch heute noch keinen Hehl daraus und so funktioniert es.

    Sein Besuch bei der Alkoholsuchtberatungsstelle bestärkte ihn (und mich, das Richtige getan zu haben!) und er wurde mit der Zeit immer sicherer.

    Er ist seit dem 14.05.04 TROCKEN und ich bin wirklich SEHR stolz auf ihn !!!  Love StruckKiss

    Popularity: 8% [?]

    14 Couchpotatoes zu “Alkoholsucht oder wie ich meinen Mann trockenlegte”

    1. Gravatar of Antje #1 Kommentar von: Antje

      Am 1. November 2008 | 12:54 Uhr

      WoW Hut ab vor so viel Offenheit :idea:
      Und Gratulation für die lange Zeit der Trockenheit :DA:

    2. Gravatar of hans #2 Kommentar von: hans

      Am 1. November 2008 | 14:08 Uhr

      hast ja auch ein schmuckstückchen abbekommen, wovon ich mich selbst schon überzeugen konnte…
      gruss an den göttergatten.

    3. Gravatar of Michael #3 Kommentar von: Michael

      Am 1. November 2008 | 14:46 Uhr

      Respekt! Einmal für den bisherigen Entzug und zum anderen für die Offenheit. Wird dieses Thema doch allerorts totgeschwiegen… die Realität sieht aber ganz anders aus.

    4. Gravatar of Gucky #4 Kommentar von: Gucky

      Am 1. November 2008 | 15:51 Uhr

      Respekt !
      DAS zeigt doch, daß du ihm wichtiger bist als ein - mehr oder weniger dauerhafter - Alkoholrausch ! :idea:

    5. Gravatar of Ulf #5 Kommentar von: Ulf

      Am 1. November 2008 | 18:18 Uhr

      Aufhören ist nicht leicht. Und man ist immer mal wieder dem Suchtdruck ausgesetzt.
      Ende 2004 hat es bei mir angefangen. Und zwar heftig. Seit 14 Monaten bin ich trocken. Wohl dem, dessen Umfeld ihn stützt.

    6. Gravatar of schnucki #6 Kommentar von: schnucki

      Am 1. November 2008 | 20:30 Uhr

      Ich bin auch stolz, auf das, was ich da geleistet habe, weil so einfach, wie es geschrieben wird, ist es nicht. Aber dies habe ich alles nur meinem Mausi zu verdanken, weil hätte Sie mir damals nicht die Pistole auf die Brust gesetzt, würde ich immer noch saufen, bzw. wäre ich vielleicht schon tot… :???:
      Immerhin war es nicht wenig, was ich damals getrunken hatte und selbst die Dame von der Suchtberatung war erstaunt, das ich dies ohne medizinischen Entzug geschafft hatte.

      Die Offenheit habe ich deswegen an den Tag gelegt, weil es einfacher ist, den Leuten zu sagen, das man Alki ist, wie andauernd “Nein” zusagen. Gerade auf Arbeit, wo gerne Bier getrunken wurde, war mir dies sehr wichtig und die haben es alle respektiert. Offenheit ist bei diesem Thema sehr wichitg und sollten sich viele Leute angewöhnen, dann lebt es sich echt einfacher mit dieser Krankheit, weil es ist eine! Dies vergessen viele!!!
      Danke Mausi, das wir das gemeinsam gemeistert haben und Du mir die Pistole, ohne die ich es nicht gemacht hätte, auf die Brust gesetzt hast!!!! :DA: :herz: :idea:

    7. Gravatar of Retronaut #7 Kommentar von: Retronaut

      Am 1. November 2008 | 21:46 Uhr

      Mutig!!! Ich finde es sehr mutig diesen Artikel hier zu veröffentlichen. Echt toll! Musste erstmal schlucken, als ich ihn zum ersten mal gelesen hatte.
      Und das es eine super Leistung ist, was Du und Dein Männe da geschafft hast, brauch ich Dir glaube ich gar nicht zu sagen. Ich denke, dass wisst ihr selbst am Besten.

    8. Gravatar of Luigi #8 Kommentar von: Luigi

      Am 2. November 2008 | 13:10 Uhr

      Das ist gut! Mein Schwiegervater war Alkoholiker, die Eltern meines Schwagers und mein Schwager stand kurz davor einer zu werden (wenn es das gibt). Die habens alle nicht geschafft weil die Leute um sie rum weggeschaut haben, bzw. noch für Nachschub gesorgt haben.
      Ich habe den größten Respekt vor deinem Mann das er trocken ist und vor dir das du die Krankheit nicht totgeschwiegen hast.
      Das gute an der Sache ist das eure Beziehung dadurch bestimmt noch fester geworden ist. Klasee!

    9. Gravatar of barbara #9 Kommentar von: barbara

      Am 3. November 2008 | 14:04 Uhr

      ich freue mich für euch, dass es geschafft ist. Er hat es wenigstens erkannt, was bei den meisten Alkoholikern nicht der Fall ist. So konsequent wie du sind ja die wenigsten Frauen. Toll!!

    10. Gravatar of Prinzzess #10 Kommentar von: Prinzzess

      Am 3. November 2008 | 15:06 Uhr

      Vielen Dank, ihr Lieben.
      Es war eine harte Entscheidung, die ich treffen musste, um weiterleben zu können. Mit oder ohne ihn/ihm.
      Und ich bin wirklich sehr dankbar, dass er sich für mich entschieden hat und bislang alles so gut ging!!! :herz:

    11. Gravatar of Ute #11 Kommentar von: Ute

      Am 3. November 2008 | 16:12 Uhr

      Gratulation an euch beide, dass es so geklappt hat!

      Ich kannte eure Geschichte ja schon, weil ich irgendwann beim Stöbern über die Webseite deiner besseren Hälfte stolperte, der davon erzählt.

      Trotzdem auch meine Hochachtung zu dieser Offenheit, denn hier bei deinen Leserzahlen ist es ja schon noch deutlich öffentlicher.

      Ich finde es wichtig, gerade über Themen, die oft noch totgeschwiegen werden, zu schreiben, denn nur so kann sich etwas ändern.

      Alkohol ist ja eine recht unauffällige Droge, denn in Maßen ist es fast schon Pflicht, sehr lange halten es viele für ungefährlich und irgendwann gibt es die Grenze, ab der jemand plötzlich als Alkoholiker gesehen wird und damit dann zum nicht mehr akzeptablen Problem wird.

      Da ich höchstens einmal im Jahr etwas Alkoholhaltiges zu mir nehme, weiß ich wie oft Fragen kommen, warum ich denn nicht das Schlückchen Sekt, das Glas Wein, den Glühwein, das Bierchen oder Schnäpschen zum Anstossen nehme…

    12. Gravatar of Vera Distelrath #12 Kommentar von: Vera Distelrath

      Am 18. Februar 2009 | 09:41 Uhr

      Hallo und einen schönen GUTEN TAG,
      das hast Du vollkommen richtig gemacht. Dein Mann liebt Dich mehr wie die Sucht. Das ist in meinem Fall leider nicht so. Ich bin mit meinem Mann nun 26 Jahre zusammen. Es gab Zeiten wo er seine Spiel und Alkoholsucht unter Kontrolle hatte, aber auch Zeiten die entsetzlich schlimm waren und es ist noch lange nicht vorbei. Aus Angst, dass ich ihn verlieren könnte habe ich nie diesen Schritt gewagt den Du gleich zu Anfang gemacht hast. Du hast Dir und Deinem Mann sehr viel Kummer erspart.
      Ich wünsche Euch ALLES GLÜCK der Welt

    13. Gravatar of Prinzzess #13 Kommentar von: Prinzzess

      Am 18. Februar 2009 | 09:47 Uhr

      leider zu spät.

    14. Gravatar of barbara #14 Kommentar von: barbara

      Am 18. Februar 2009 | 09:51 Uhr

      zu spät?

      Das tut mir sehr sehr leid liebe Prinzzess

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